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Kreuzfahrt "Goldenes Vlies" auf der

"Olympia Voyager" (August 2002)

 

An- und Abreise, Organisation

Unsere Kreuzfahrt startete in Athen. Den Hin- und Rückflug buchten meine Familie und ich als Linienflug über unser Reisebüro, den Transfer von und zum Flughafen bei der Reederei Royal Olympic Cruises (ROC), was alles sehr gut klappte.

Erwähnenswert ist allerdings, dass die Taxifahrt vom Flughafen nach Piräus nichts für schwache Nerven ist, da Athener Taxifahrer offensichtlich Geschwindigkeitsbeschränkungen und Ampeln nur als unverbindliche Empfehlungen betrachten, was eine solche Fahrt zwar flott, aber recht abenteuerlich gestaltet.

Das Einchecken am Hafen wurde zügig abgewickelt, als sehr angenehm empfand ich, dass uns ein Steward vom Empfang zu unserer Kabine begleitete und den Weg wies.

Reiseroute

  • 09.08.2002: Abfahrt aus Athen – Aufgrund der kurzen Zeit zwischen Ankunft und Ablegen war leider keine Besichtigung der Stadt möglich.

  • 10. Und 11.08.2002: Istanbul – Wir entschlossen uns aufgrund der hohen Preise für Landausflüge (siehe auch Sonstiges) dazu, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Zu diesem Zweck heuerten wir einen Taxifahrer an, der uns an beiden Tagen durchgehend zur Verfügung stand, uns zu allen Sehenswürdigkeiten brachte und jeweils einen deutschsprachigen Führer organisierte (für beide Tage zahlten wir zu dritt 100,-- €, wobei ich sicher bin, das geschicktes Handeln den Preis vielleicht noch etwas gesenkt hätte). Zum obligatorischen Programm gehören natürlich Blaue Moschee und Hagia Sophia, die beide auf ihre Weise sehr beeindruckend sind. Für den Topkapi-Palast sollte man mehrere Stunden einplanen, unvergesslich bleibt uns hier besonders die Schatzkammer mit ihren einmaligen Pretiosen. Der Harem ist nur zu bestimmten Zeiten geöffnet, daher sollte man ihn zuerst besuchen. Außerdem sehenswert sind natürlich der Große Basar, die Yerebatan-Zisterne (gerade im Hochsommer ist es dort angenehm kühl) und auch das Hippodrom mit dem Kaiser-Wilhelm-Brunnen und den Straßencafes, wo man in Ruhe einen Tee trinken und dem Treiben zuschauen kann.

  • 12.08.2002: auf See; abends legten wir in Mykonos an, wo allerdings nicht mehr als ein netter Abendspaziergang möglich war.

  • 13.08.2002: vormittags Kusadasi – Die Hauptsehenswürdigkeit Kusadasis sind die Ruinen von Ephesus, die ca. 20 km von der Stadt entfernt liegen. Wir nahmen ein Taxi, das uns zum Eingang brachte und uns am Ausgang wieder abholte (für drei Personen 50,-- €). Die Ruinen zeugen noch heute vom Glanz der antiken Stadt, und angenehmerweise werden die Ausgrabungen von österreichischen Archäologen geleitet, so dass die Beschilderung größtenteils in deutscher Sprache gehalten ist. Nachmittags fuhren wir nach Patmos weiter, wo wir in Tenderbooten an Land gebracht wurden. Sehenswert sind hier das Johannes-Kloster und die "Heilige Höhle der Apokalypse", die von der griechisch-orthodoxen Kirche als Zufluchtsort des Apostels Johannes verehrt wird. Die Höhle erreicht man zu Fuß durch einen ca. 40-minütigen Spaziergang (recht anstrengend, da meist bergauf), zum Kloster sollte man ein Taxi nehmen.

  • 14.08.2003: Rhodos – Da der Pier in der Nähe der Altstadt liegt, bbietet sich ein Stadtbummel förmlich an. Insbesondere Ritterstraße und Großmeisterpalast sind sehenswert, man sollte sich aber auch abseits der touristischen Trampelpfade die Idylle der alten Gäßchen und begrünten Höfe ansehen.

  • 15.08.2003: vormittags Heraklion – Als ein Höhepunkt der Reise kann sicherlich die Besichtigung des Palasts von Knossos gelten, der ca. 15 km außerhalb der Stadt liegt und per Taxi bequem erreichbar ist (Sonntags ist der Eintritt sogar frei, was viele Touristen nicht wissen). Die 3500 Jahre alte Anlage mit ihren wunderbaren Fresken zeugt noch heute vom Können der minoischen Baumeister und Künstler. Man sollte allerdings versuchen, möglichst früh (das Gelände wird um 8.00 Uhr geöffnet) dorthin zu fahren, da am späteren Vormittag sehr viele Reisegruppen eintreffen und die Wartezeiten entsprechend lang werden. Nachmittags besuchten wir Santorin, ein Städtchen, dessen Reiz darin liegt, dass es wie ein Schwalbennest an einen Berggrat gebaut wurde und einen wunderschönen und malerischen Ausblick bbietet, besonders, wenn mehrere Schiffe in der Bucht liegen. Für den Aufstieg über die Serpentinen ist ein Eselsritt besonders empfehlenswert, alternativ gibt es eine Seilbahn (beides jeweils 3,-- € pro Person). Vom Aufstieg zu Fuß muss man abraten, da die Fußgänger den gleichen Weg wie die zahlreichen Esel benutzen müssen, was angesichts der Hinterlassenschaften der Tiere eher einem Slalomlauf gleicht.

  • 16.08.2003: Ankunft in Athen, Heimreise – Einen unschönen Abschluss der Reise bildete hier die Eile, mit der ROC die Passagiere loswerden wollte; wir wurden um 7.30 Uhr morgens praktisch von Bord geworfen.

Das Schiff

Wenn man das Schiff selbst mit einem Wort beschreiben soll, dann passt der Begriff "Edel" meines Erachtens wohl am besten.

Die "Olympia Voyager" ist relativ klein und klar auf Geschwindigkeit gebaut (sie erreicht bis zu 30 Knoten), was sie sehr elegant wirken lässt; hier handelt es sich auch optisch noch um ein Schiff und nicht um eine schwimmende Bettenburg.

Die Innenausstattung zeichnet sich durch klare und schnörkellose Linien aus (die Amerikaner an Bord empfanden dies als spartanisch), und besonders angenehm wirkt die Verwendung von hochwertigen Materialien (dicke Teppichböden, Edelhölzer etc.).

Neben dem Speisesaal gab es noch ein Selbstbedienungsrestaurant sowie tagsüber eine Pizzatheke sowie mehrere Bars.

Der "Alexander-der-Große-Showroom" wurde überwiegend für die Abendunterhaltung genutzt, bot aber wegen seiner Säulen nicht von allen Plätzen gute Sicht.

Der Pool verdient diesen Namen eigentlich nicht, zum Schwimmen war er jedenfalls zu klein, für eine Abkühlung reichte er aber aus. Die Zahl der Liegen war etwas knapp bemessen, besonders wenn auf See alle Gäste an Bord waren. Außerordentlich störend fand ich, das praktisch keinerlei Schattenplätze vorhanden waren, da sich alle offenen Deckflächen wegen der hohen Reisegeschwindigkeit im Windschatten der Aufbauten befinden (die Flächen vor den Aufbauten waren während der Fahrt nicht zugänglich) und nicht überbaut sind. Die wenigen schattigen Plätze wurden von den Tischen der Deckbar eingenommen.

Unsere Kabine (Deck 4 außen) war wie das Schiff selbst sehr hochwertig ausgestattet und so genial eingerichtet, dass sie größer wirkte als sie tatsächlich war (u.a. waren so viele Schubfächer und Ablagen vorhanden, dass wir während der ganzen Reise immer wieder etwas suchen mussten). Wie das ganze Schiff wirkte sie liebevoll gepflegt und sauber.

Bei der Wahl der Kabine sollte man versuchen, eine Kabine möglichst weit vorne im Bugbereich zu bekommen. Der gesamte Mittelteil des Schiffs (wo sich auch die Junior-Suiten und Suiten befinden) werden nämlich von starken Maschinengeräuschen, der Heckbereich von starken Antriebsvibrationen geplagt, die beide bis auf die obersten Deck zu hören bzw. zu spüren sind.

Verpflegung

Das Essen war durchgehend qualitativ recht gut, im Selbstbedienungsrestaurant aber etwas eintönig und phantasielos. Da es sich um ein griechisches Schiff handelt, liegt der Schwerpunkt natürlich auf griechischer Küche, internationale Gerichte stehen aber auch immer auf der Speisekarte.

Sehr gut ist die an Bord hergestellte Pizza; während der Reise wurde ein griechischer Abend veranstaltet, für den man u.a. auch ein Spanferkel auf der offenen Heckgalerie auf dem Grill brutzelte.

Personal

Das Crew besteht fast ausschließlich aus Griechen und hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck: Einerseits herrscht zwar durchgehend Höflichkeit und Zuvorkommenheit, anderseits wirken die meisten Besatzungsmitglieder zurückhaltend und kalt und vermitteln teilweise den Eindruck, nur widerwillig auf Wünsche einzugehen (unseren Kabinensteward haben wir während der ganzen Reise nicht einmal gesehen, er hielt es nicht nötig, sich vorzustellen). Zum Wohlfühlen an Bord trägt die Crew jedenfalls nur sehr bedingt bei.

Sonstiges

Eine glatte Unverschämtheit sind die Preise für Nebenleistungen während der Kreuzfahrt. Die Preise für Cocktails, Weine etc. liegen bei 5,-- € aufwärts, die Preise für Landausflüge sind indiskutabel (Stadtrundfahrt in Istanbul 95,-- € pro Person), für alkoholfreie Getränke sind ebenfalls Gastronomiepreise zu bezahlen (nur Eistee ist kostenfrei, dafür aber beinahe ungenießbar).

Das Publikum ist international, es überwiegen aber Südeuropäer, insbesondere Italiener und Griechen. Deutsche Gäste gibt es fast keine (bei 800 Passagieren gab es insgesamt 11 deutschsprachige, uns drei mitgerechnet).

Die Informationsblätter über die Anlaufhäfen werden zwar auf Deutsch ausgegeben, bedauerlicherweise sind sie aber von einer Maschine übersetzt und entweder unverständlich oder falsch; man lässt sie sich besser auf Englisch geben.

Fazit

Die "Olympia Voyager" hat allein für ihr edles Ambiente ihre vier Sterne verdient. Eine Reise auf ihr ist für alle zu empfehlen, die weniger Wert auf Entspannung legen, sondern viele Häfen besuchen wollen und bereit sind, ihre Ausflüge selbst zu organisieren.

 

Stefan Schöner, Niederwerrn

E-Mail: fam-schoener@freenet.de

 

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