MSC Melody - September 2002 -
Mittelmeerkreuzfahrt
Anders als gewöhnlich war an dieser Kreuzfahrt von
Genua über Neapel, Palermo, Tunis, Mallorca, Barcelona und Marseilles
unsere Anreise. Nicht mit dem Bus oder dem Flieger, nein. mit der
guten alten Eisenbahn sind wir im Schlafwagen von Deutschland nach
Genua gefahren. Vom Bahnhof in Genua sind es dann noch 5 Minuten zu
Fuß und schon ist man am Schiffsanleger. Die Einschiffung ging dann
ziemlich schnell und wir konnten unsere Außenkabine auf dem
Continental-Deck beziehen. Aus Erfahrung klug, hatten wir einen
Adapter mitgenommen, der uns bei den an Bord vorhandenen Steckdosen
große Dienste leistete. Die Kabine war ziemlich geräumig und hatte
neben ausreichenden Stauraum auch eine Sitzecke zu bieten. Die MSC
Melody ist 205 m lang und 28 m breit. Obwohl sich bei diesen Ausmaßen
die möglichen 1300 Passagiere hätten gut verteilen können, tobte
das Bordleben rund um den Calypso Pool. Animateure bemühten sich um
die meist italienischen Passagiere. Extrem lebhaft und laut ging es
dort zu. Unsere Sache war das nicht, und so bezogen wir unseren
"Ruheplatz" auf dem Sun-Deck. Hier war allerdings auch schon
eine Schwachstelle des Schiffes zu entdecken. Egal von wo aus man zu
den oberen Außendecks kommen wollte, man musste immer bis zum Bug des
Schiffes laufen und dann über den einzigen Ausgang am Calypso-Pool
hinaus. Wer morgens und mittags am Büfett seine Mahlzeiten einnehmen
wollte war gut beraten, sich mit seinem Tablett in die Sunrise-Terrace
zu begeben. Dort war es ruhig und angenehm leer. Die von vielen
Passagieren bevorzugte Riviera-Terrace war stets überlaufen und laut.
Das Abendprogramm an Bord war gut gemachte Unterhaltung und auch die
angebotenen Mitternachtsbüffets erfüllten die in die Reise
gesteckten kulinarischen Erwartungen. Wie übrigens das gesamte
Speisenangebot abwechslungsreich und gut war. Die Kleidervorschriften
werden weniger streng gehändelt. Es sind lediglich Empfehlungen, an
die man sich aber nicht unbedingt halten muss. Das alles macht eine
Reise mit der MSC Melody lohnenswert. Die Getränkepreise sind nicht
überhöht. Allerdings gab es keinen guten Wein unter 10,-- Euro. Die
deutsche Reiseleitung an Bord hat sich sehr um uns bemüht, war
freundlich und hilfsbereit. Auch das Bordpersonal war freundlich und
zuvorkommend. Die Passagiere kamen zum einen Teil aus Deutschland,
Österreich, Groß Britannien und den Niederlanden. Zum anderen, aber
größten Teil, aus Italien. Das meist junge italienische Publikum
konnte mich jedoch weniger begeistern. Es war auffällig, dass sich
diese jungen Leute am Büffet üppig bedienten, lustlos mit der Gabel
im Essen rumstocherten schließlich aufstanden und gingen. 20 Minuten
später kamen sie zurück, gingen zum Büffet und das Spiel begann
erneut. Von Seiten der Reederei wurden für die Anlaufhäfen
verschiedene Landausflüge angeboten. Hiervon haben wird diesmal
allerdings keinen Gebrauch gemacht. Die meisten Häfen waren uns
bekannt und so haben wir es genossen, nicht vor Tag und Tau das Schiff
verlassen zu müssen, sondern mal in-dividuell die Landgänge zu
gestalten. Von Genua fuhr das Schiff zuerst nach Neapel. Die
Schiffsanlegestelle ist genau gegenüber der Altstadt, so dass man die
Stadt fußläufig gut erkunden kann. Unser Lieblingsplatz in Neapel
ist die Piazza Bellini mitten in der Altstadt. Auch auf dieser Reise
haben wir dort in einer Bar unter Palmen einen Prosecco getrunken,
bevor es zum Einkaufen in die sehenswerte Galleria Umberto I ging. Mit
einem Espresso im Vorzeigecafé Gambrinus beendeten wir unseren
Landgang. Am anderen Morgen lag das Schiff im Hafen von Palermo.
Eingangs waren wir von der Stadt nicht begeistert. Der Autoverkehr und
die damit verbundenen Abgase ließen den Gang durch die engen Straßen
zum Stadtzentrum zur Qual werden. Doch angesteckt von der besonderen
Atmosphäre rund um das Opernhaus und dem Dom waren wir doch schnell
wieder mit der Stadt versöhnt. Unser nächster Hafen war Tunis. Das
Schiff liegt jedoch rund 20 km von der Stadt entfernt und jeder
Landgang ist visumpflichtig. Da uns durch eine vorhergegangene
Kreuzfahrt der Landausflug in Tunis noch gut in Erinnerung war
(Bus-Basar-Teppichladen-Bus) haben wir uns diesmal einen Landgang
erspart, den Tag zum Seetag erklärt und blieben an Bord. Erst als
unser Schiff in Palma de Mallorca anlegte, sind wir wieder an Land
gegangen. Dummerweise lagen noch drei andere Kreuzfahrer im Hafen, so
dass die Taxifahrer nicht über den Fahrpreis mit sich handeln
ließen. Für stolze 10,-- Euro wurden wir in die Stadt bis unterhalb
des Domes gefahren. Aus dem Taxi heraus sahen wir Mitreisende, die mit
öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt gefahren sind. Warum wir
bloß nicht auf diese Idee gekommen sind? Ich weiß es nicht. Zurück
sind wir dann 40 Minuten durch brütende Hitze gelaufen. Auch keine
Glanzleistung, doch das Gefühl, 10,-- Euro gespart zu haben - und
das Busgeld natürlich auch. Leider war es ein Sonntag und alle
Geschäfte hatten geschlossen. Einem Spaziergang durch die wirklich
sehenswerte Altstadt folgte ein stärkendes Getränk in einer Bar,
bevor wir dann zu Fuß zurück zum Schiff gingen. Hier erwartete uns
gegen Mitternacht ein besonderes Highlight. Zuerst wurde von der Crew
eine Piratenshow geboten und anschließend auf dem Pool-Deck ein
riesiges Büffet mit warmen und kalten Speisen dargeboten. Die
katalanische Hauptstadt Barcelona empfing uns mit einem besonderen
Angebot. Direkt am Schiffsanleger starten die offenen
Doppeldeckerbusse zu einer preiswerten und lohnenden Stadtrundfahrt.
An festgelegten Zwischenhalten kann man den Bus verlassen und später
in einen anderen Doppeldeckerbus wieder zusteigen. Ob man mehr zu
sehen bekommt als durch die an Bord zu buchende Stadtrundfahrt kann
ich nicht beurteilen, aber auf jeden Fall war es eine preiswerte
Alternative. Nach der Stadtrundfahrt haben wir dann noch Barcelonas
Prachtboulevard, die Rambla zu Fuß erkundet. Die an der Rambla
gelegene Markthalle ist allemal ein Besuch wert. Das übergroße
Angebot an frischem Obst und Gemüse an Fleisch und Fisch begeistert
immer. Wer die rund um die Rambla gelegenen zahlreichen aber
überteuerten Lokale meiden möchte, dem sei das große Kaufhaus mit
seinem Restaurant und Stehimbiss am oberen Ende der Rambla zu
empfehlen.
Der letzte Anlaufhafen war Marseilles. Das Schiff
lag außerhalb der Stadt in einem Industrie-gebiet. Doch ein gut
organisierter Shuttleservice der Reederei brachte uns schnell ins
Stadt-zentrum und auch wieder zurück. Und das war gut so. Denn die
Stadt ist kein touristischer Höhepunkt. Menschen schliefen auf dem
Bürgersteig, verwegen aussehende Gestalten lungerten vor noch
verwegeneren Bars herum und an fast jeder Straßenecke bestand die
Möglichkeit, Waren von zweifelhafter Herkunft zu erwerben. Bestimmt
hat die Stadt auch sehenswerte Ecken, doch da hätten wir einen
Landausflug buchen müssen, aber darauf haben wir ja auf dieser Reise
bewusst verzichtet. Am anderen Morgen waren wir wieder in Genua. Die
Ausschiffung ging - man ist es von MSC auch so gewohnt - schnell
und reibungslos. Eine schöne Reise mit einem durchaus zu empfehlenden
Schiff, der MSC Melody, war zu Ende.
Ferdinand Pretz