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Mittelmeerkreuzfahrt auf der "Golden Princess"

von Venedig nach Barcelona (21.08. – 02.09.03)

Anreise und Organisation

Die An- und Abreise war im Reisearrangement von Princess Cruises inbegriffen und umfasste die Linienflüge von und nach München und den Transfer vom und zum Flughafen.

Die Organisation klappte bestens, besonders gut fanden wir (d.h. meine Frau, mein 14jähriger Sohn und ich) den so genannten "Express-Check-In": Da wir die notwendigen Persondaten bereits vorab per Internet übermitteln konnten, mussten sie nicht am Hafen erfasst werden, was uns ermöglichte, in wenigen Minuten nach der Ankunft am Hafen bereits unsere Kabine zu beziehen.

Reiseroute

  • 21. und 22.8.03: Venedig – Princess bot einen Shuttleservice per Wasserbus zum Markusplatz an (pro Person 10,-- $ für beide Tage), so dass wie die Altstadt auf eigene Faust erkunden konnten.
  • 23. und 24.8.03: auf See
  • 25.08.03: Istanbul – Da wir die Sehenswürdigkeiten der Stadt alle bereits gesehen hatten (wer zum ersten Mal dort ist, sollte sich insbesondere den Topkapi-Palast nicht entgehen lassen!), besuchten wir auf eigene Faust den Großen Basar. Für das Taxi in die Innenstadt sollte man jeweils ca. 10,-- € veranschlagen.
  • 26.08.03: Kusadasi – Absolutes Muss sind in Kusadasi eigentlich die Ruinen von Ephesos. Da wir sie bereits kannten, nutzten wir den Tag für einen Bummel durch den dortigen Basar und das alte Städtchen.
  • 27.08.03: Athen – Wir entschieden uns für eine Erkundung der Altstadt (der Plaka) abseits der Touristenströme. Die Plaka ist gut per U-Bahn zu erreichen (Kosten von 0,60 € pro Fahrt und Person), die Haltestelle in Piräus liegt ungefähr 20 Minuten zu Fuß von den Piers entfernt. Man sollte sich darauf einstellen, dass wegen der vielen Bauarbeiten die U-Bahn nicht immer da hält, wo man hin möchte.
  • 28.08.03: auf See
  • 29.08.03: Neapel – Hier nahmen wir an einem geführten Ausflug zu den Ruinen von Pompeji teil. Die Organisation des Ausflugs klappte sehr gut, die Führerin war ausgezeichnet. Die Zeit war etwas kurz bemessen; um Pompeji wirklich umfassend zu sehen, wären jedoch ohnehin mehrere Tage nötig. Kosten für den Ausflug: ca. 70,-- $ pro Person.
  • 30.08.03: Livorno – Der Landausflug an diesem Tag führte uns nach Pisa. Die Führerin war mittelmäßig, die Kosten von 50,-- $ pro Person waren zu hoch, da sich herausstellte, dass darin nur der Eintritt in den Dom, nicht zu den anderen Sehenswürdigkeiten inbegriffen war.
  • 31.8.03: Monte Carlo – Zu unserer Enttäuschung war das Wetter so schlecht (Windstärke 9, Wellen von mehr als vier Metern Höhe), dass es nicht möglich war, in den Booten überzusetzen. Ersatzweise liefen wir Cannes an, ein nettes Städtchen mit einer wunderschönen langen Strandpromenade, die trotz des Windes zu einem ausführlichen Spaziergang und einem Kaffee einlud. Problematisch war allerdings die Organisation der Tenderboote, da nicht – wie sonst üblich – Tendertickets aufgegeben wurden, sondern ein verzweifelter stellvertretender Cruise-Director allen Ernstes versuchte, 2000 Passagiere in einer Reihe im Atrium und im Treppenhaus aufzustellen.
  • 01. und 02.09.03: Barcelona – Da die "Golden Princess" erst am Nachmittag des 1.9. anlegte und der nächste Tag schon Abreisetag war, blieb in Barcelona nur relativ wenig Zeit. Trotzdem sehr schön und empfehlenswert ist ein Spaziergang über die berühmte Flaniermeile La Rambla mit all ihren Sehenswürdigkeiten. Princess bot einen Shuttle-Bus in die Innenstadt, allerdings versagte auch hier die Organisation (jeder Fahrgast musste handschriftlich erfasst werden), was zu Wartezeiten von ca. einer Stunde führte.

Verpflegung

Vom Umfang her wurde man fast erschlagen. Neben den drei Hauptspeisesälen gibt es noch zwei aufpreispflichtige Spezialitätenrestaurants (die wir angesichts des riesigen Angebots nicht genutzt haben), ein Selbstbedienungsrestaurant mit einer Öffnungszeit von 24 h/Tag und eine ganze Reihe von Buffets mit dem übliche Fastfood wie Pizza etc.

Die Qualität war aber sehr unterschiedlich und rangierte – insbesondere im Speisesaal - von exzellent (besonders was die Fischgerichte angeht) bis fast ungenießbar (die Salate waren immer gleich, trocken, ohne Soße).

Ein besonderes Ärgernis stellte auch die Ausstattung des Speisesaals dar: Der erste Eindruck wirkte sehr edel (u.a. mit hochwertigem Porzellan und echtem Silberbesteck), die Tischdecken waren allerdings fleckig und durchlöchert und die Servierten ungestärkt und lieblos "arrangiert".

Abzuraten ist außerdem von der Möglichkeit des "Free-Choise-Dinning", also dann und in dem Speisesaal zu essen, wann und in dem man möchte. Dieses Modell führt nicht nur zu Warteschlagen am Eingang, sondern auch zu einem ständigen Kommen und Gehen im Speisesaal und erzeugt eine unangenehm hektische Atmosphäre. Traditionelle feste Tischzeiten sind daher nach meiner Auffassung vorzuziehen.

Das Schiff

Die öffentlichen Bereiche des Schiffs sind äußerst beeindruckend. Das Atrium mit seinem doppelten Treppenhaus reicht über mehrere Decks und ist – zumindest für meinen Geschmack - hinreißend elegant, man hatte ganz offensichtlich versucht, einen Mittelweg zwischen amerikanischem und europäischen Stil zu finden, und das auch größtenteils erfolgreich.

Es befinden sich insgesamt vier große und schön dekorierte Pools an Bord mit ausreichend Liegen (sowohl im Schatten als auch in der Sonne), was trotz der großen Zahl von mehr als 2600 Passagieren niemals ein Gefühl der Beengtheit oder Überfüllung aufkommen ließ. Unser Lieblingspool war der "Calypso-Pool", der über ein Glasdach verfügte, das bei schlechtem Wetter geschlossen wurde, und über einen sehr schönen (und rutschsicheren) Bodenbelag aus Teak verfügt.

Das Theater ließe machen Großstadtbürgermeister neidisch werden und bietet praktisch von jedem Platz beste Sicht; überhaupt waren insbesondere die von Princess selbst produzierten Shows absolut sehenswert. Auch in zwei anderen Lounges wurde jeden Abend ein Unterhaltungsprogramm geboten, an manchen Abenden war die Wahl sehr schwer.

Diesen öffentlichen Bereich gegenüber fiel allerdings die Kabine deutlich ab (wir hatten ein Außenkabine auf dem Plaza-Deck). Sie war ungünstig aufgeteilt (mit einer Art kleinem abgeteilten Ankleideeck vor dem Bad, das im Grunde genommen nur toter Raum war) und wirkte trotz der eigentlich ordentlichen Größe eng. Schlimmer jedoch machte sie trotz des sehr jungen Alters des Schiffs sehr einen sehr abgewohnten Eindruck, ein Bett war völlig durchgelegen, die Hälfte der Schubläden funktionierte nicht.

Personal

Wie das Schiff selbst und die Verpflegung reichte hier die Spanne von ausgezeichnet (unser Hilfskellner versuchte buchstäblich unsere Wünsche zu erfüllen, bevor wir sie aussprechen konnten) bis hin zu inakzeptabel (u.a. hatten wir einen Kellner, der an einem schlechten Tag die Teller und das Besteck nicht auf den Tisch setzte, sondern warf), häufig aber war das Personal desinteressiert.

Ich empfehle, die automatische Abbuchung des Trinkgeldes am ersten Tag beim Zahlmeister einstellen zu lassen und das Trinkgeld auf altmodische Art selbst zu geben.

Sonstiges

Die hygienischen Verhältnisse ließen zu wünschen übrig; in unserer Kabine befanden über die ganze Reise hinweg in den Ecken z. T. ausgedehnte Staubflächen, und den Zustand der öffentlichen Toiletten lässt man besser unerwähnt.

Das Publikum setzte sich überwiegend aus Briten, Amerikanern und Kanadiern zusammen, die Bordsprache und war dementsprechend Englisch, wie auch die Sprache auf den Ausflügen.

Die Preise für Alkohol waren angemessen (Cocktails ab 3,50 $); sehr gut war das Angebot eines Stickers für 27,50 $, der erlaubte, an den Bars so viele alkoholfreie Getränke zu bekommen wie man wollte.

Fazit

Die Reise auf der "Golden Princess" wird uns als schöner und erholsamer Urlaub in Erinnerung bleiben.

Die Einstufung als Vier-Sterne-Schiff ist aber meines Erachtens angesichts der Mängel im Detail nicht gerechtfertigt, das können die Konkurrenten von Princess besser.

 

Stefan Schöner

Nordring 71

Niederwerrn

 

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